Mikulov – zottiger Klappertopf im Stadtpark
Im Franz-von-Sonnenfels-Park in Mikulov haben wir auf einer Pilotfläche zottigen Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) ausgesät. Das ist ein Wurzel-Halbschmarotzer, der das Wachstum dominanter Gräser auf natürliche Weise bremsen kann. Das Ergebnis kann ein artenreicherer Bestand sein, selteneres Mähen – und dazu gelbe Blüten voller Nektar für Insekten.
Klappertopf – „Ökosystem-Ingenieur“ in der Praxis
Der zottige Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) ist ein Wurzel-Halbschmarotzer. Auf den ersten Blick wirkt er wie eine ganz normale Pflanze: Er wächst aus dem Boden, hat grüne Blätter und betreibt Photosynthese. Unter der Erde dockt er jedoch mit speziellen Organen (Haustorien) an die Wurzeln der umliegenden Pflanzen an – an seine Wirte. Von ihnen bezieht er Wasser und Nährstoffe. Dadurch werden die Wirte geschwächt: Sie wachsen langsamer, bleiben niedriger und setzen sich weniger durch. So entsteht im Bestand mehr Platz und Licht für kleinere Kräuter, die sonst im Wettbewerb mit Gräsern verlieren würden.
Der Klappertopf parasitiert besonders gut auf Gräsern, vor allem auf Arten mit Rhizomen, zum Beispiel auf Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) oder Kriech-Quecke (Elymus repens) – genau auf der Kriech-Quecke parasitiert er auch in diesem Mikulover Rasen. Viele blühende Kräuter sind dagegen „schlechte Wirte“ (z. B. die Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)) und werden daher weniger oder gar nicht beeinflusst.
Was ist das Ziel in Mikulov?
Auf der Pilotfläche im Franz-von-Sonnenfels-Park testen wir, wie die Aussaat von zottigem Klappertopf einen üblichen Rasen schrittweise in einen artenreicheren und widerstandsfähigeren Bestand verwandeln kann. Und das ganz ökologisch – ohne radikale Eingriffe wie chemische Beseitigung des Rasens und anschließende Einsaat einer artenreichen Mischung. Gleichzeitig kann dadurch auch die Mähhäufigkeit sinken, was Pflegekosten spart. Profitieren sollen auch verschiedene Insektenarten, Bodenmikroorganismen – und natürlich die Besucherinnen und Besucher.
Konkret wollen wir:
- die Dominanz der Gräser (vor allem stark konkurrenzfähiger Arten) verringern und ihre Höhe reduzieren.
- die Vielfalt der Kräuter fördern und im Rasen mehr Raum für blühende Arten schaffen.
- die Bedingungen für Bestäuber verbessern: mehr Blüten, mehr Nektar, längere Attraktivität.
- ein Pflegeregime testen, das dem Klappertopf die Aussaat ermöglicht und für die Parkpflege praktikabel ist.
- reale Daten und Erfahrungen sammeln, die auch auf andere Flächen (nicht nur in Mikulov) übertragbar sind.
Mit wem arbeiten wir zusammen?
Die Fläche entstand dank der Zusammenarbeit des Projektteams PannFlora, der Stadt Mikulov (Leitung und Verwaltung) und der Firma TEDOS Mikulov, die die technischen Dienste übernimmt. Namentlich danken wir dem Vizebürgermeister Ivo Hrdlička, Petra Kurcová (Stadtamt), der Landschaftsarchitektin Klára Sedláčková sowie dem Team von TEDOS Mikulov unter der Leitung der Geschäftsführerin Jitka Dočekalová.